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Schnell aber sicher zum Einsatz. 9 Tipps

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Mal ehrlich: Wie ist das bei Ihnen, wenn der Funkmeldeempfänger piepst oder die Sirene heult? Der Puls geht hoch, die Atemzüge werden schneller. Egal, was Sie gerade mache, Ihnen geht nur noch ein Gedanke durch den Kopf: “Einsatz – Jetzt bloß keine Zeit verlieren!” Und nach dem Einsatz stellen Sie fest: Viele der Kameraden und Kameradinnen waren wieder mal schneller am Gerätehaus…

…und vielleicht denken Sie dann: “Warum eigentlich? So viel näher wohnen die doch auch nicht! Und schließlich bin ich nicht gerade langsam zum Gerätehaus gefahren?” Vielleicht haben Sie gleich in den ersten Sekunden einen entscheidenden Fehler gemacht: Sie haben das Gehirn “abgeschaltet” und sich von einem motorisch-hektischen Handeln leiten lassen….

Bei einer Berufsfeuerwehr sind die Wege zu den Löschfahrzeugen kurz. Dass die Fahrzeuge innerhalb von 60 Sekunden ausrücken können, liegt aber nicht allein an dieser Tatsache. Die Reihenfolge, was bei einem Alarm zu machen ist, wird dort in der Ausbildung gelehrt und gehört zur alltäglichen Routine: Bei den freiwilligen Feuerwehren gibt’s diese Routine nicht, schon gar nicht, wenn es nur zu wenigen Einsätzen im Jahr kommt. Und trotzdem muss es wie bei den Berufskräften funktionieren. Es liegt an jedem einzelnen, wie schnell die Feuerwehr ausrücken kann.

Handeln mit Bedacht – um Unfälle zu vermeiden

Wenn der Alarm ertönt –Stop! Denken Sie in Ruhe nach, was Sie tun sollten. Sonst setzen sie sich selbst enorm unter Druck. Plötzlich werden einfache Dinge, wie zum Beispiel das Schließen eines Hosenknopfes, zu fast unlösbaren Aufgaben – weil die zitternden Hände nicht mehr gehorchen wollen. Und wenn dann noch etwas schief geht, weil vielleicht der Autoschlüssel nicht zu finden ist, geraten Sie in Panik. Eine nicht ungefährliche Situation, auch für den schwer beanspruchten Kreislauf – aber vor allem, weil irrationales Handeln Unfallgefahren birgt!

Am besten, Sie stellen sich schon vorher in einer ruhigen Minute Ihren ganz persönlichen “Alarmplan” auf. Was mache ich als erstes, was darf ich nicht vergessen? Probieren Sie es aus: Sie werden feststellen, das gibt Ihnen nicht nur Sicherheit, sondern macht Sie auch schneller, weil Sie ruhiger und bestimmter reagieren können.

Dachaufsetzer: "Feuerwehr im Einsatz". Foto: Preuschoff

Dachaufsetzer: “Feuerwehr im Einsatz”. Foto: Preuschoff

TIPP 1: LASSEN SIE SICH HELFEN!

Sensibilisieren Sie Ihre Mitmenschen. Ihre Familie sollte nicht nur erschrocken zur Seite springen, wenn Sie zum Einsatz müssen. Man kann Ihnen sinnvoll helfen: die Jacke zureichen, die Haustür aufschließen, das Auto öffnen – all das bringt wertvolle Sekunden.

Das gleiche gilt tagsüber bei der Arbeit. Es ist sicher kein Problem für die Kollegen, die Maschine abzustellen oder das eben geführte Telefonat zu übernehme. Sie müssen nur im Voraus wissen, was zu tun ist – für lange Erklärungen haben Sie beim Alarm keine Zeit mehr.

TIPP 2: HALTEN SIE ORDNUNG!

Richten Sie feste Aufbewahrungsstellen für die wichtigen Dinge bei einem Alarm ein. Am besten nur einen Platz für das Notwendige: Jacke, Schuhe und Schlüssel. (Nicht nur Auto- auch Wohnungsschlüssel. Irgendwann kommen Sie auch wieder nach Hause). Mitbewohner müssen wissen, wie wichtig diese Ordnung für Ihren Einsatz ist.

TIPP 3: NACHTS, WENN ALLES SCHLÄFT…

Seien Sie auf nächtliche Alarme vorbereitet. Besonders, wenn die Phase des Tiefschlafes schon eingesetzt hat, werden Sie “schlaftrunken” reagieren. Es ist nicht schlimm, wenn Sie den Pulli falsch herum anziehen. Schlimm ist es, wenn Sie ihn nicht finden. Deshalb in unmittelbare Nähe es Bettes Socken, Hose, Pulli oder T-Shirt, Schuhe und die Schlüssel bereitlegen (am besten in dieser Reihenfolge). Am einfachsten anzuziehen ist Sportkleidung wie zum Beispiel eine Jogginghose…

Hilfreich bei den Nachtalarmen sind übrigens auch die sogenannten “Alarmstecker”. Wie bei der Berufsfeuerwehr geht beim Alarm ein gekoppeltes Licht an. Diese Stecker können an die Ladestationen einiger Funkmeldeempfänger angeschlossen werden, die einen Relaisausgang besitzen. Auch akustische Verstärker für “Tiefschläfer” finden hier Verwendung.

TIPP 4: HOSE ÜBER DIE STIEFEL!

Bei den Berufsfeuerwehren von Hamburg bis New York ist es tägliche Praxis, bei den freiwilligen Feuerwehren hat es sich noch nicht überall durchgesetzt. Wer die Einsatzhose über die Stiefel zieht, spart wertvolle Zeit. So sollten Stiefel und Hose auch bereitstehen. Ein Sprung in die Stiefel, Hose hochziehen, schließen, fertig.

Das spart nicht nur Zeit, sondern gibt darüber hinaus auch Sicherheit. Denn wer die Stiefel separat anzieht, trägt unweigerliche die Hose in den Stiefeln. Folge: Glassplitter und Brandschutt können in die Stiefel gelangen. Aber Achtung: Nach dem Einsatz die nass Hose trocknen lassen. Sonst ist Schimmel die Folge. Außerdem sollten die Hosenbeine nicht über den Stiefelschäften liegen, damit auch diese auslüften können. Und: Kontaminierte Einsatzkleidung gehört nicht in die Wohnung!

TIPP 5: RÜCKWÄRTS PARKEN!

Ist Ihr Auto ständig startklar? “Ja sicher”, sagen Sie. Aber wie lange brauchen Sie, um loszufahren? In Parklücken sollten Sie ausreichend Platz einkalkulieren, Zeit für lange Rangierversuche steht Ihnen nicht zur Verfügung. Parken Sie auf dem Hof oder in einer Garage? Prima, dann parken Sie rückwärts ein. Das gilt auch, wenn Sie mit dem Auto irgendwo anders stehen: immer rückwärts in die Parklücke. Im Einsatzfall können Sie gleich in Fahrtrichtung durchstarten.

Planen Sie auch das Wetter ein. Schnee und Frost können die Abfahrt erheblich verzögern, eine “Folien-Garage” kann im Winter Wunder bewirken. Und vergessen Sie nicht die richtigen Reifen. In der kalten Jahreszeit gilt ganz besonders: “Langsam, es pressiert!”

TIPP 6: VOLLE PULLE IST OUT!

Vollgas ist nicht immer schneller! Ob zulässig oder nicht, bei einem Alarm fährt wohl kaum ein Feuerwehrangehöriger gemächlich zum Gerätehaus. Jedoch gilt auch hier: Bevor Sie den Zündschlüssel herumdrehen – denken Sie nach. Das Missachten von roten Ampeln oder das Ignorieren der Vorfahrt anderer ist nicht nur dumm sondern auch gefährlich. Denken Sie an mögliche Folgen: Vielleicht kommt es zu mehr als “nur” zum Blechschaden oder zum teuren Radarfoto, vielleicht müssen die Kameraden dann plötzlich Ihnen helfen. Und: Wenn es zum Unfall kommt, werden Sie alleine zur Rechenschaft gezogen. Oder hat jemand Ihnen geraten, Sie sollen die Verkehrsregeln missachten?

Versuchen Sie sich auch in die Lage der anderen Verkehrsteilnehmer zu versetzen. Sie sind als Feuerwehrmann in Ihrem eigenen Auto nicht, oder nur bedingt zu erkennen. Oder würden Sie einen Pkw-Fahrer hinter Ihnen verstehen, der aufgeregt gestikulierend mit Warnblinker und Lichthupe dicht auffährt (was nebenbei den Tatbestand der Nötigung erfüllt)? Ein Dachaufsetzer kann nur ein zusätzliches Hilfsmittel sein. Und denken Sie abseits aller rechtlichen Dinge daran: Die meisten “Bürger” finden es alles, nur nicht bewundernswert, wenn zahlreiche Pkw mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Ortschaft donnern – auch und gerade wenn sie wissen, dass es sich dabei um Feuerwehrleute handelt…

TIPP 7: FAHRTROUTE PLANEN!

Kennen Sie alternative Wege zum Gerätehaus? Nein? Dann machen Sie sich doch mal Gedanken darüber. Vielleicht ist die Straße, die Sie nutzen wollen, durch den Unfall versperrt, zu dem Sie alarmiert wurden. Vielleicht blockiert eine Müllabfuhr die ganze Straßenbreite. Und von der Umleitung wegen der Baustelle haben Sie auch nichts gewusst? Beobachten Sie allgemein die Verkehrslage: Ist die sonst so kurze Streck im Berufsverkehr jetzt auch noch so zeitsparend?

TIPP 8: ERST DENKEN, DANN AUSRÜSTEN!

Einsatzstichwort verstehen und mitdenken. Alphanumerik-Pager, die den Einsatzort und das Einsatzstichwort anzeigen, sind eine feine Sache. Aber auch analoge Meldeempfänger können mit der Durchsage der Leitstelle weiterhelfen. Bei beiden Arten haben Sie den Vorteil, über die Einsatzart Bescheid zu wissen. Machen Sie sich kurz Gedanken darüber, was Sie beachten müssen, Für den Feuerwehrmann ist es auch wichtig, über die benötigte Ausrüstung nachzudenken. Brauchen Sie die Atemschutzmaske? Die Rettungsweste? Die Latexhandschuhe? Welches Fahrzeug muss als erstes besetzt werden? Und als Maschinist: Kennen Sie vielleicht schon den günstigsten Anfahrtsweg?

TIPP 9: RICHTIG ANGEZOGEN SCHON IM FAHRZEUG!

Schnell die Jacke, Helm und Stiefel vom Haken gerissen und ab ins Löschfahrzeug. Es muss schließlich schnell gehen. Alltag bei deutschen Feuerwehren. Doch wollen Sie wirklich Ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzen, um drei Sekunden schneller ausrücken zu können? Auch hier dürfen Sie ruhig ein paar Sekunden investieren.

Vom Umziehen im Fahrzeug ist aus mehreren Gründen abzuraten. Der Ellbogen des anderen, der gerade in die Jacke schlüpft, im eigenen Gesicht tut ganz schön weh. Im Fahrzeug herumfliegende Hausschuhe oder Privatkleidung können schnell zur Stolperfalle werden. Halten Sie Ordnung. Und wenn der Fahrer mal scharf bremsen muss, haben Sie keine Hand frei zum Festhalten, weil Sie gerade halb stehen, halb sitzend, die Einsatzhose hochziehen. Positiver Nebeneffekt: Wenn Sie schon fertig angezogen sind, können Sie zum Beispiel den Kameraden beim Anlegen des Atemschutzes helfen oder sich schon mit Feuerwehrleine, Handlampe etc. ausrüsten. Und das spart nachher wirklich Zeit.

Autoschild: "Feuerwehr im Einsatz". Foto: Preuschoff

Autoschild: “Feuerwehr im Einsatz”. Foto: Preuschoff

 

(Quelle: Feuerwehr Magazin)


   
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